SEPTEMBER - REPORT

09/08/2015 - 16:00

Themen: Handwerker & Kunstszene;
Peruanische Häfen Callao & Pucusana

Peru

Ich widme mich heute der peruanischen Kunst-/Folklore- und Handwerker-Szene und beginne dort mal bei den einfachsten Arbeiten, nämlich beim Strassen- Handwerk. Wenn man durch die Strassen und kleinen Gassen der Hauptstadt Lima oder auch im grossen Vorort Miraflores spaziert, sieht man sie überall: die Handwerker, die wirklich alles reparieren könnenSe; kein Schuh, kein Kleidungsstück, kein Haushaltsartikel, der nicht wieder hergestellt werden könnte – bei uns in Europa würde all das in die Mülltonne fliegen. Und hier wird dazu nicht nur bestens gearbeitet sondern auch noch unglaublich billig. Oft sind die kleinen Läden oder Arbeitsstände in einem chaotischen Zustand, aber davon sollte man sich nicht abhalten lassen – schliesslich zählt hier ja nur das Ergebnis und nicht die Eleganz des Ladens.

An jeder Ecke und in jeder Strasse findet man dann so kleine Buden: hier wird alles verkauft von Süssigkeiten bis zu SoftDrinks, Kaugummis und Keksen, Illustrierte und Zeitungen und im Inneren dieser engen Dinger sitzen auch Uhrmacher, die alles wieder in Gang setzen können, dazu jederart Batterie vorrätig haben. Man wird sofort bedient und kann seinen Artikel sogleich wieder mitnehmen.

Wenn man dann weiter schlendert, findet man zwischen den vielen modernsten Hochhäusern doch noch immer mal wieder altspanische Fassaden und herrschaftliche Villen – die ich aber an anderer Stelle gesondert beschreiben werde - und dazwischen, oft halb verborgen auf alten Balkonen, in manchmal staubigen Ecken, aber auch in Parks oder mitten auf den Gehwegen die interessantesten Skulpturen, Abbildungen von Heiligen in kleinen Schreinen, Tonfiguren oder Holzstatuen – man muss nur die Augen aufhalten und sich vom oft brausenden lauten Verkehrsgetümmel nicht ablenken lassen, dann wird man von aussergewöhnlichen Anblicken überrascht.

Beim weiteren Umschauen, findet man natürlich überall peruanische Folklore und Kunsthandwerk: da sind die wunderschön in kräftigsten Farben gewebten Stoffe und Kleidungsstücke, all die aus der schmeichelweichen Alpacawolle hergestellten Jacken, Pullover, aber auch Schals und Mützen, die vielen farbenfrohen Gemälde, Silber- und Goldschmuck in jeglicher Verarbeitung und für jeden Geldbeutel, Ton- und Porzellan-Artikel und Accessoires, ob für den täglichen Gebrauch oder als Deko – man kann die Aufzählung noch unendlich fortführen – aber am besten man besucht in aller Ruhe die vielen Märkte, Ausstellungsorte und Geschäfte für Kunsthandwerk.

Ich darf bei meinen Schilderungen nun auch nicht die wirkliche Kunstszene in Perú ausser acht lassen und da gibt es unendlich Vieles zu sehen und auch laufend Neues zu erfahren. In den verschiedensten Galerien, an Ausstellungsorten und Museen hat man eine grosse Auswahl, um sich über die Gegenwartskunst aber auch die der vergangenen Jahrhunderte hier in Perú kundig zu machen. Oft werden kleine Café dazu ausgesucht, um interessiertes Publikum für Buchlesungen, Gemäldeausstellungen junger peruanischer Künstler oder unterschiedlichste Werke von Bildhauern anzulocken. Es würde den Rahmen meines heutigen Blogs sprengen, wenn ich dort in Einzelheiten gehen würde. Nur zum Betrachten und Geniessen drei ausgewählte zeitgenössische Werke von jungen Künstlern.

Nach so viel Kunstgenuss sollte man sich vielleicht mal zur Abwechslung der peruanischen Geographie zuwenden und so möchte ich eine kleine Auswahl an peruanischen Häfen vorstellen und was man dort unternehmen kann. Zur peruanischen Hauptstadt Lima gehört die grosse Hafenstadt Callao – hier in der Nähe liegt auch der Internationale Grossflughafen „Jorge Chávez“. Callao ist der Dreh- und Angelpunkt für die Fischerei, obwohl natürlich auch zum Beispiel die grossen Kreuzfahrtschiffe dort anlegen, damit die Passagiere von hier aus ihre Ausflüge zur Inkafestung nach Machu Picchu oder auch zu Kurztrips an den Amazonas antreten können. Von der Stadt Lima bekommen sie meistens ausser der obilagorischen Stadtrundfahrt leider kaum etwas zu sehen. Sehr schade.

Aber nun zurück zu Callao. Die Hafenstadt liegt 15 km entfernt von Lima an einer weiten Bucht und hat verschiedene vorgelagerte Inseln wie: San Lorenzo, El Frontón, Cavinzas und verschiedene Inselchen, die sogenannten Islas Palomino. Vom Stadtteil La Punta aus startet täglich eine ganze Armada von Ausflugs-Schnellbooten, die Touristen und Einheimische zu einer Rundfahrt um die Inseln hinausfahren, wobei einer der Höhepunkte für die Passagiere ist, dass man – sofern man sich traut und das möchte – selber in’s Meer springen kann, um begleitet von erfahrenen Crew-Mitgliedern mit den dort draussen lebenden Seelöwen um die Wette zu schwimmen. Da der Pazifik auch im Sommer doch recht empfindlich kalt ist, bekommen die Schwimmer einen Taucheranzug zur Verfügung gestellt, der nicht nur gegen die Kälte wirkt, sondern durch den Eigenauftrieb auch Unfälle verhindert. Es ist empfehlenswert, diesen Ausflug wirklich nur im Sommer machen - einmal wegen der Wärme natürlich und weil zum Anderen im Winter dort draussen ständig dicke Nebelbänke eine gute Aussicht und auch das Fotografieren fast unmöglich machen.

Auf der ca. zweistündigen Fahrt werden nicht nur Tabletten gegen Seekrankheit verteilt, sondern es werden auch kleine Snacks und Getränke angeboten, das Ganze wird begleitet von ausführlichen Mikrofon-Erklärungen zu der Bedeutung der Inseln und ihrer Vergangenheit. So war zB die Insel El Frontón in früheren Zeiten eine sehr berüchtigte Gefängnisinsel, wo es viele Tote und blutige Gefangenen-Revolten gegeben hat und die auf internationalen Druck schliesslich geschlossen wurde. Heute werden die Inseln für Naturforschungszwecke und teilweise auch den Abbau von Guano genutzt. Wenn man sich nach einer längeren Fahrt bei recht starkem Seegang endlich wieder in etwas ruhigerem Fahrwasser den Inseln nähert, bemerkt man schon von weitem den sehr scharfen, fast stechenden Geruch der Seelöwen aber auch der starken Guano-Ablagerungen durch die Unmengen von Seevögeln, die hier ganzjährig nisten. Hier gibt es Pelikane, Albatrosse, Pinguine, Möwen allerart und andere Seevögel - aber die Hauptattraktion sind natürlich die grossen Kolonien der Seelöwen, die ganze Felsformationen bedecken. Erwähnen sollte ich auch noch, dass es zwischen Mai-Oktober die Touristen an die nördliche peruanische Pazifikküste zieht, um das Schauspiel der Wale zu beobachten, die von der Antarktis kommen, um sich hier zu paaren.

Bei der Rückkehr nach La Punta sollte man sich die Zeit nehmen, in einem der zahlreichen Hafenrestaurants Fisch oder Meeresgetier zu verspeisen – frischer als hier kann es nicht sein. Bei einem leckeren Mahl und vielleicht einem Pisco Sour, dazu mit einem Blick auf’s Meer zu den Fischerbooten kann man den ereignisreichen Tag nochmals Revue passieren lassen oder auch die letzten Fotos schiessen.

Wer dann nochmals nach Callao kommt, sollte unbedingt der imposanten Festung Real Felipe einen Besuch abstatten und dazu das im Hafen liegende geschichtsträchtige Uboot Abtao besichtigen. Die Festung wurde (ab 1746) im Kolonialzeitalter von Perú zum Schutz gegen Überfälle durch Seeräuber errichtet. Heute befindet sich in den weitläufigen Anlagen ein Militärmuseum.

Nun zum zweiten Ausflugsort, dem kleinen Hafen Pucusana 40 km südlich der Hauptstadt Lima an der Panamericana gelegen. Er hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte enorm gemausert und vorallem vergrössert; heute leben hier festansässig ca. 9.600 Einwohner, aber viele Limeños haben hier auch ihre Ferienhäuser oder Appartments. Pucusana liegt an einer kleinen Bucht und hat auf der gegenüberliegenden Seite zum Hafen eine vorgelagerte Insel, wo man auch nette Möglichkeiten zur Übernachtung findet und sogar einen kleinen eigenen Badestrand hat. Der Ort wird bestimmt durch die Fischerei und man darf nicht hier gewesen sein, ohne den quirligen Fischmarkt gesehen zu haben. Man kann beobachten, wie die Boote entleert werden, wie die Fische gleich vor Ort lauthals angeboten und verkauft werden. Die Vielfaltigkeit der Fänge ist unbeschreiblich und wenn man die Preise für Fisch aus Lima kennt, wird man nur zu schnell dazu verführt, vor Ort grössere Einkäufe zu tätigen. Es ist hier viel billiger und man bekommt auch solche Fische und Muscheln, die es in Lima oft nicht gibt oder viel seltener im Angebot sind. Rund um die Markthallen hat sich eine Unzahl von Fischständen angesiedelt und daran anschliessend auch Reihen von kleinen Imbiss-Ständen, wo man sich nach eigenem Wunsch und Zusammenstellung die Gerichte zubereiten lassen kann.

Bevor man sich aber vielleicht doch eher in einem der netten Restaurants zum Mittagessen niederlässt, sollte man noch einen kleinen Rundgang durch den Ort machen und auf den Berg steigen, der auch dicht besiedelt ist und wo man einen guten Ausblick über Ort und Hafen hat. Am sogenannten Boquerón (Felsen-Engpass) schiesst das Meerwasser durch einen Felsdurchbruch mit grossem Getöse und hoher Wellengischt in eine kleine Bucht; in der Nähe liegen einige malerische Esslokale, wo man ausgezeichnet und recht günstig speisen kann. Alles in allem ein entspannter und abwechslungsreicher Tagesausflug.

GUTEN APPETIT ! BUEN PROVECHO !

Vorschau auf den nächsten Perú-Report :

Alte Villen mit neuer Bedeutung – Restaurants mit alter Bedeutung - Fauna & Flora: weitere kleine Einblicke -

 

Text: Annie Midas
Fotos: © Danilo Hilario Ramirez;
Rodney Dodig ; Marca Perú ;
Annie Midas

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