NOVEMBER - PERÚ REPORT

11/05/2015 - 15:45

Themen:
Religiöses Kultfest Señor de los Milagros & Schlacht von Angamos -
Alte Villen mit neuer Bedeutung -
Restaurant mit alter Bedeutung -
Ein österreichisch-bayerische Dorf in den Anden -
15. Oktoberfest in Lima -
Blick in peruanische Kochtöpfe -

Mes Morado - Señor de los Milagros

Wenn man in Perú lebt, bleibt man im Monat Oktober eines jeden Jahres nicht unberührt von den verschiedenen Feierlichkeiten. Der gesamt Monat wird als °Mes Morado° (Purpur-Monat) bezeichnet und sehr verehrt. Es geht schon los am 08.Oktober, da gedenkt man mit diversen Staatsakten und Feierlichkeiten der „glorreichen“ Schlacht von Angamos. Hier handelte es sich im Jahr 1879 um ein Seegefecht in den pazifischen Küstengewässern bei Kap Angamos. In dem sog. Salpeterkrieg war der peruanischen Marine schliesslich nur noch das Panzerschiff Huáscar geblieben, das sich in dem verhängnisvollen Seegefecht einer Übermacht von chilenischen Schiffen stellen musste und schwer getroffen wurde. Bei dem Gefecht fielen 41 peruanische Seeleute, darunter auch der Admiral und spätere Nationalheld Miguel Grau Seminario. Mit dieser endgültigen vernichtenden Niederlage begann eine chilenische Invasion in Perú. 1880 konnten die kriegerischen Auseinandersetzungen beigelegt werden.

Heutzutage kann man neben den offiziellen Gedenkstunden anlässlich dieses Feiertages einen schönen Urlaubstag geniessen und viele Peruaner machten dieses Jahr ein langes Urlaubs-Wochenende daraus und verliessen die Stadt ob nach Süden oder nach Norden oder auch rauf in die Bergregionen der Anden.

Admiral Grau und das Panzerschiff „Huáscar“

Admiral Grau und das Panzerschiff „Huáscar“

Aber beherrscht wird der Purpur-Monat Oktober jedes Jahr schlussendlich doch hauptsächlich durch die tagelangen religiösen Prozessionen, Messen, Gedenkstunden und offiziellen Ansprachen zum: Señor de los Milagros - Lima feiert seinen „Herrn der Wunder “. Die Metropole Lima und ihre Bewohner erscheinen in leuchtendem Lila; die Männer tragen Lila-Umhänge mit entsprechenden Krawatten, die Frauen erscheinen ohne Ausnahme mit weisser Kopfbedeckung den sog. „velos de encaje“ und tragen meistens lila oder dunkel-violette Kleider. Diese katholischen Riten gehen zurück auf das Jahr 1651 als ein schwarzer Sklave aus Angola auf eine Lehmmauer das Bild eines gekreuzigten schwarzen Christus malte. Diese Stelle mit dem Abbild des Herrn wurde schnell zu einer Pilgerstätte. Nur wenige Jahre später fielen rund um diesen Ort während eines schweren Erdbebens alle Gebäude und Wände zusammen - mit Ausnahme der Wand mit dem Bildnis, wodurch die Verehrung für den „Herrn der Wunder“ immer mehr anwuchs, aber auch der strengen katholischen Kirche immer suspekter wurde. Man versuchte mehrfach, das Bildnis zu übermalen – vergeblich. Beauftragte Maler sollen bei dem Übermalversuch ohnmächtig zusammengebrochen sein, bis sich niemand mehr für diese Arbeit melden wollte. Nach einem weiteren desaströsen Erdbeben wurde eine Reproduktion des Bildes angefertigt, um es während einer Prozession durch die Strassen zu tragen und zu zeigen. Der „Señor de los Milagros“ wurde schliesslich zum Schutzpatron der Stadt Lima erklärt. Nach dem Erdbeben im Jahr 1746, wobei fast die ganze Stadt vernichtet wurde, feiert man am Tag des Bebens den 28. Oktober jährlich diesen Kult des „Herrn der Wunder“ des „Schwarzen Christus“.

Während des traditionellen mehrtägigen Umzugs durch Lima wird die schwere Trage mit dem Bildnis des Schwarzen Christus von einer männlichen Trägergruppe geschultert. Weihrauchschwaden begleiten die Prozession und vermischen sich mit dem Duft von gebratenen „Anticuchos“ (Schaschliks) und fehlen darf bei den Feierlichkeiten niemals der „Turrón de Doña Pepa“ ein klebrig-supersüsses Anis-Gebäck mit Nougatsirup und dickbestreut mit „Liebesperlen“ und anderen Süssigkeiten und als Nachtisch die aus lila Mais hergestellte Nachspeise Mazamorra Morada

Prozession mit Trägergruppe für den Señor de los Milagros

Prozession mit Trägergruppe für den Señor de los Milagros

Frauen in der Prozession mit weissen Spitzen-Kopfschleiern

Frauen in der Prozession mit weissen Spitzen-Kopfschleiern

Essen

Mazamorra morada

Mazamorra morada

Bei all den unzähligen Veranstaltungen im Monat Oktober im Rahmen der Festivitäten zum Señor de los Milagros sollte man eine aber unbedingt erwähnen: Die Stierkämpfe in Acho. Die Plaza de Toros (Stierkampfarena) liegt mitten im historischenStadtzentrum von Lima, im Distrikt Rimac und zu Füssen des Berges San Cristobal, über den ich schon im Monat April ds.Js. berichtet habe. Diese Arena zählt inzwischen zu den historischen National-Monumenten der Stadt – sie ist die älteste in den Americas und sogar die zweitälteste weltweit. Die Nummer 1 ist selbstverständlich La Maestranza in Spanien. Der Bau der Arena wurde 1766 vom damaligen Vizekönig Amat y Junyet in Auftrag gegeben - Experten und Stierkampf-Bewunderer klassifizieren sie als die schönste und berümteste Arena. Die besten Stierkämpfer aus aller Welt sind hier schon aufgetreten und jedes Jahr werden die traditionellen Stierkampf-Tage im Oktober zum Fest des Señor de los Milagros dort abgehalten, wo sich die Besten in ihrem Fach treffen und messen. Die wichtigste Trophäe, die in den Tagen verliehen wird ist “El Escapulario de Oro“ (Skapulier in Gold). Man kann nicht voraussagen, wie lange man hier in dieser Arena noch Stierkämpfe sehen wird, denn selbst im traditionellen Spanien geht man in kleinen Schritten daran, aus Gründen des Tierschutzes solche Kämpfe abzuschaffen – die Insel Mallorca setzte in diesem Jahr (2015) ein Zeichen und sprach ein endgültiges Verbot für Stierkämpfe auf der Insel aus.

Grosser Einmarsch-Korso in der Arena in Acho

Grosser Einmarsch-Korso in der Arena in Acho

Der Matador auch im lila Gewand zu Ehren des Señor de los Milagros

Der Matador auch im lila Gewand zu Ehren des Señor de los Milagros

Man beachte: auch der peruanische Präsident Ollanta Umala und
seine Gattin Nadine Heredia – angemessen passend in Lila gekleidet

 

Ollanta Umala und seine Gattin Nadine

Erwähnenswert ist noch: Auch in der bayerischen Landeshauptstadt München gibt es eine Bruderschaft des „Señor de los Milagros“. Sie wurde im Jahr 2012 von Peruanern gegründet, die dort schon lange Jahre leben; sie wollen damit auch in Deutschland dieses religiöse Fest feiern – die passenden Requisiten, wie auch die lilafarbene Bekleidung, wurden dafür extra aus Perú nach München geholt. Inzwischen wird dieses Fest von immer mehr deutschen Katholiken, aber auch Gläubigen aus anderen Länden, die in München leben, besucht. Inzwischen wird der „Herr der Wunder“ in Deutschland auch in anderen Städten gewürdigt – nach München auch in Hamburg und Köln. Weltweite Prozessionen gibt es im Monat Oktober in über 260 Städten.

 

In Fortsetzung zum Thema „Stierkampf“ , der wohlgemerkt in Perú seit der Eroberung durch die Spanier einen sehr hohen Traditionsstand hat und immer noch eine grosse Beliebtheit bei der Bevölkerung geniesst, passt es sehr gut, eine alte Villa zu besuchen, die seit Familien-Generationen engstens mit Stieren und Toreros verbunden ist. Die Villa ist auch heute noch in Familienbesitz und bietet in ihren Privaträumen Mittagessen an, auf Vereinbarung können auch Feiern organisiert werde. Die Speisekarte ist nur klein, das Essen sehr schmackhaft und die Preisgestaltung kann man nur als sehr günstig bezeichnen. Man kann wählen zwischen einem Essplatz im Garten oder in einem der Salons. Die Räume sind ein wahres Museum rund um den Stierkampf und die Toreros. Die Besitzerin führt gute Gäste gerne herum und erzählt dazu interessante private Geschichten. Dieser Ort – eher ein Geheimtipp unter Freunden – ist ein Beweis dafür, wie man alte Häuser und Villen mit etwas Mut, Ideen und Eigeninitiative vor dem Abriss bewahren kann.

Die Villa bei „Maritza“ -- Stiere & Toreros lassen grüssen

Die Villa bei „Maritza“

Die Villa bei „Maritza“

Die Villa bei „Maritza“

In der Hauptstadt Lima und in vielen ihrer Vororte trifft man zwar bedauernwerterweise auf immer weniger alte Villen oder herrschaftliche Paläste. Vielfach können sie wegen exorbitant hoher Renovierungskosten nicht mehr gehalten werden, meistens sind es aber Immobilienfirmen die rigoros solche Objekte aufkaufen, um dann einen weiteren Wohnturm oder Bürohochhaus zu errichten. So ist der grosse Vorort Miraflores in so einigen Strassenzügen bereits zu einem peruanischen „Klein-Manhattan“ geworden. Aber wenn man durch die Strassen fährt oder noch besser herumspaziert und sich dabei genau umschaut, kann man doch noch so diverse bauliche alte Juwelen entdecken.

Ich stelle hier heute die alte und wunderschön renovierte Villa „El Palacete Souza“ vor. Sie ist im Stadtteil Barranco zu finden, der sich im Laufe der letzten Jahre immer mehr zu einem Mekka für Künstler – Maler, Musikszene, Schriftsteller, Grafiker, Mode-Designer, Bildhauer u.a.m. –entwickelt hat. Der ursprünglich fast schon majestätisch zu bezeichnende Palast wurde 1914 in einer bemerkswerten Architektur erbaut, wurde dann über viele Jahrzehnte ständig mehr vernachlässigt, bis es zu einem fast völligen Verfall gekommen war. Die Organisation CasaCor, die sich dem Wiederinstandsetzen solcher historischer Objekte widmet, nahm sich des „Palacete“ an. Die alte Villa war auf einem Hacienda-artigen , hochherrschaftlichen Anwesen errichtet worden; die Gartenanlagen erstrecken sich über 3.500 m². Die Renovierung wurde strikt im Neoklassizistischen Stil ausgeführt und soll heute über 9 Mio. Dollar wert sein. 67 Designer und Architekten waren an dem Gesamtkonzept beteiligt. Das Endergebnis harter und langer Arbeit sind 46 absolut phantastische Räume und dazu offene Terrassen – es wurde aus dem Verfall ein feinstes Kunstobjekt geschaffen. Man kann die Villa zu Ausstellungen, Musikveranstaltungen, Lesungen etc. einmal persönlich in Augenschein nehmen. Ein Besuch lohnt sich immer. Kamera nicht vergessen.

Der ursprüngliche Palacete Souza im Jahr 1920

Der ursprüngliche Palacete Souza im Jahr 1920

Heutige Aussen-Ansichten vom Palacete Souza

Heutige Aussen-Ansichten vom Palacete Souza

Verschiedene Raumgestaltungen im Palacete Souza

Raumgestaltungen im Palacete Souza

Raumgestaltungen im Palacete Souza

Im Limeñer Vorort Barranco ist dann auch ein weiteres Beispiel einer exzellenten Villen-Renovierung und Neubestimmung zu finden – das DÉDALO. In einer schneeweissen Villa auf einem ebenfalls herrschaftlichen Gartengelände gelegen, wo es heute noch alte Pferdestallungen und Unterkünfte der früheren Hilfskräfte zu besichtigen gibt, befinden sich in den vielen Räumen verteilt über diverse Etagen Ausstellungen und Präsentationen von peruanischer Folklore, jederart Kunsthandwerk und touristischen Andenken. Gemütliche Terrassen mit schattenspendenen Bäumen laden zum Verweilen ein, es gibt ein kleines Café, aber auch einen Selbstbedienungsladen. Hier kann man schnell Stunden verbringen, ohne es zu bemerken.

Verlässt man das Dédalo ist man in wenigen Schritten an einer kleinen Plaza, von der man einen herrlichen Blick auf den Pazifik geniessen kann und über Treppen auch hinunter zur Küstenstrasse gelangt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meistens rund um das Oktoberfest, das hier in Lima feucht-fröhlich fünf Tage lang gefeiert wird, stellen neue Besucher oder Touristen erstaunt fest, dass neben einer echten bayerischen Kapelle - die Mannsbilder alle in Lederhosen - auch eine Tanzgruppe von jungen Peruanern auftritt, die ebenfalls urtypisch bayerisch angezogen ist und unermüdlich ihre schwungvollen Tänze zeigt. Vorgestellt werden sie immer als die Tanzgruppe aus POZUZO. Diesen Ort lohnt es sich einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Pozuzo liegt im gleichnamigen peruanischen Distrikt in ca. 750 m Höhe. Der Name Pozuzo kommt aus der indigenen Sprache der Yanesha-Indianer dieser Gegend und bedeutet „Fluss mit dem salzigen Wasser“ - er liegt an einem kleinen Quellbach des grossen Huallaga-Flusses. Einwohnerzahl : so um die 1.200. Bis hierher wäre das alles ja nichts Aussergewöhnliches - aber der Clou ist: Im Jahr 1859 wurde eben hier an genau diesem Platz in völliger peruanischer Abgeschiedenheit die „Kolonie Pozuzo“ von : Tirolern, Rheinländern und einigen Bayern gegründet !! Da, staunt man und kaum einer weiss das in Europa.

Willkommen in der „Única colonia Austro-Alemana del mundo“ – nein, hier handelt es sich nicht um die spanische Beschreibung zu einem süddeutschen Dorf – Pozuzo ist wirklich ein Ort in den peruanischen Anden - fast unglaublich, aber wahr. Heute kann man auf einem Schild am südlichen Ortseingang - sowohl auf Spanisch, als auch auf Deutsch - lesen, dass dies „Die einzige österreichisch-deutsche Kolonie der Welt ist“ ! Aber es ist nicht nur das Schild, das an die Vergangenheit erinnern soll, sondern hier werden tatsächlich noch die alten Traditionen bewahrt und gelebt, die ehemals die Kolonisten hierher brachten. So sieht man für Tirol und Bayern typische Häuser, es gibt Trachtengruppen mit der dazu passenden Musik-Kapelle, derenTanz-Ensembles gerade wieder wie alljährlich das Pozuzo-Oktoberfest feierten. – Selbstverständlich sind diese Tanzgruppen – gebildet aus Erwachsenen, Jugendlichen und auch kleineren Kindern alle in wunderhübscher orginalerTracht gekleidet.

Die Bevölkerung lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft, Viehzucht, teilweise auch Coca-Anbau, aber auch vom Tourismus. Das enge Tal ist schwierig zu bewirtschaften, das Klima ist heiss und feucht. Der Ort war früher und ist auch heute nicht gerade leicht zu erreichen. Nach Überquerung der Anden gab es anfangs keinerlei Strassen in das neue Kolonisationsgebiet. Erst 1943 durch den Bau einer ersten provisorischen Strasse wurde die komplette Isolation der Einwanderer in Pozuzo beendet. Durch die Strasse kam allerdings besonders die Holzwirtschaft in‘s Laufen, bis die Wälder abgeholzt waren; die Ölindustrie folgte mit grossen Eingriffen in die Natur, begleitet von enormen Umweltschäden und gravierenden Unruhen unter den dort ansässigen Indianern (Yanesha u.a.). In den 80er Jahren wurde ein grösseres Gebiet zum Nationalpark Yanachaga-Chemillen ernannt. Die UNESCO erklärte schliesslich die Region zum Biosphären-Reservat.

Seit dem Jahr 1975 hat Pozuzo eine durchgehende Strassenverbindung erhalten, es ist eine unbefestigte Trasse, eigentlich nur eine Fahrbahn für beide Richtungen, die von sehr steilen Felswänden, schroffen Abhängen und tiefen Abgründen begrenzt wird. Nur erfahrene Autofahrer sollten sich hierher trauen. Autobusse verkehren regelmässig auf dieser schwierigen, nicht ungefährlichen Strecke und benötigen allein für die letzten 80 km in den Ort über vier Stunden. Einige Kilometer hinter Pozuzo liegt heute ein kleiner Flughafen.

Pozuzu, Peru

Diese Bilder bilden einen guten Übergang zu meinem nächsten Thema : OKTOBER-FEST 2015 in Lima-Perú. Auch dieses Jahr konnte das Fest wieder fünf Tage lang gefeiert werden und es war das 15. Fest in Folge. Der Organisator und Ausrichter war wiederum der schon bewährte allseits bekannte Alex Müller.

Es war wie immer sehr laut (Bayerische Kapelle live) und in den Pausen über Lautsprecher vom Band in gleicher Stärke. Unterhalten war dabei nicht viel möglich – man soll ja auch trinken … fast wie auf der Original-Wiesn. Die Kapelle „Zugspitzmusik“ spielte unermüdlich - sogar einige Jazz-Stücke. Der Clou: einige Male kletterte ein Musiker auf einen der vorderen Tische und spielte ein Trompeten-/ und Klarinettensolo. Die schon vom letzten Jahr so beliebte Trachtentanzgruppe der Mädchen und Jungen aus Pozuzo war wieder dabei und begeisterte das Publikum mit ihren rasanten bayerischen Tänzen.

Essen und Trinken wurde ebenfalls wie in den Vorjahren garantiert durch die Brauerei Cuzqueña, den Fleischlieferanten Braedt, wie auch durch den deutschen Bäcker Alex Müller-Neuhaus – da konnte man nicht klagen. Satt gingen bestimmt alle und beschwipst die meisten dann sehr vergnügt nach Hause.

Hasta luego nos veremos el próximo año - Bis zum nächsten Jahr !

Oktoberfest, Lima, Peru

Oktoberfest, Lima, Peru

Hier bekomme ich auch gleich meine Überleitung für mein heutiges letztes Kapitel : mal wieder ein Blick in peruanische Kochtöpfe. Ich hatte schon einmal an anderer Stelle eines der typischsten und traditionellsten Gerichte erwähnt : Carapulcra mit Sopa Seca – das eigentlich ein Duo ist aus einem Nudeleintopf und einem Kartoffeleintopf – andererseits aber auch so speziell ist, dass es nicht immer für europäische Gaumen geeignet erscheint – viele finden es sogar ziemlich schrecklich. Nun gut, da sind einmal die getrocknete Kartoffeln, die sehr fettigen Huhn- und Schweineteile, die Erdnussbutter, diverse interessante, aber auch gewöhnungsbedürftige Gewürze - - - alles zusammengenommen hat mich zu der Überzeugung gebracht, auf ein detailliertes Rezept an dieser Stelle zu verzichten, auch wenn ich das eigentlich versprochen hatte – ich belasse es bei einem Bild

Oktoberfest, Lima, Peru

Aber die peruanisch-kreolische Küche ist ja eine der reichhaltigsten und variationsreichsten der Welt. Es gibt immer noch viele in den Familien überlieferte alte Rezepte aus der Inkazeit und besonders bei der indianischen noch in der Quechua-Sprache sprechenden Bevölkerung. Im Land unterscheidet man Gerichte aus folgenden Regionen: Nordküste – Südküste – Lima Stadt – Anden Sierra Gebiet und Selva-Urwald Gebiet.

Viele Einwanderer aus den verschiedensten Nationen rund um den Erdball brachten mit ihrer Kultur auch ihre Küchengepflogenheiten mit in’s Land – angefangen bei den spanischen Eroberern, den chinesischen Eisenbahnarbeitern bis hin zu den heutigen Europäern, Japanern, Pakistani, Thailändern, US- und Latein-Amerikanern – um nur eine Anzahl zu nennen. Heute hat sich das Bild auch in anderer Hinsicht gewandelt : viele Peruaner leben inzwischen auf allen Kontinenten und haben dort nun ihre Küche bekannt gemacht. Aus Deutschland bekomme ich immer häufiger begeisterte Berichte - zB aus München, Hamburg und Berlin - wo laufend neue peruanische kleine Lokale oder auch Bars eröffnen und man inzwischen viele der typischen peruanischen Leckereien angeboten bekommt.

Am häufigsten wird da das CEVICHE zitiert und das Rezept gebe ich hier heute gerne bekannt, da es sich sehr einfach auch im Ausland zubereiten lässt – selbst peruanische Gewürze werden heute schon in europäischen Latinoläden verkauft. Was Sushi für den Japaner – das ist Ceviche für den Peruaner ! Der Ursprung dieses Gerichtes wird bei der Prä-Inca-Kultur der Moche (ca. 100-800 n.Chr.) vermutet, könnte aber auch auf die spanischen Eroberer und ihre arabischen Einflüsse zurückgehen – denn man findet zum Wort „Ceviche“ sowohl im Quechua der südamerikanischen Indianer als auch im Arabisch-Maurischen eine etymologische Stammverwandtschaft.

Das cebiche=ceviche ist eine Vorspeise oder auch schon kleine Zwischen-Mahlzeit aus rohem Seefisch. Nehmen sollte man dazu vorzugsweisse einen mit weissem festen Fleisch; weitere unabdingbare Zutaten sind die kleinen grünen Limetten (bitte keine gelben Zitronen dazu verwenden !), Zwiebeln, Pulver oder Flocken von Ají (scharfen roten Pepperonis), dazu Süsskartoffel, Maiskolben oder auch mit Yuca und Avocado. Dazu wird eine Marinade bereitet, die man in Perú liebevoll als „leche de tigre“ (Tigermilch) bezeichnet; nach Verspeisen des Gerichtes, wird diese Marinade am Ende gerne nachgetrunken – aber Vorsicht: sauer-würzig ! Ganz stilecht trinkt man in Perú dazu eine Chicha Morada – ein sehr erfrischendes alkoholfreies Getränk aus rotem Mais. Probieren Sie es mal aus und lassen Sie es sich schmecken !

 

Rezept : Ceviche de corvina (peruanischer weisser Seefisch)

für: 4x Personen
250 g Weissfisch (weisser Heilbutt/Dorade/Wolfsbarsch/Rotbarsch)
(500 g als Zwischenmahlzeit)
1x rote Zwiebel
5-6 x kleine grüne Limetten
1-2x Zehen frischer Knoblauch
Ají rot + gelb gemahlen (roter Cayenner-Pfeffer,scharf) – nach Geschmack
etwas frischen Koriander (grob gehackt)
Salz / schwarzer Pfeffer / Knoblauch gemahlen
2x Essl. Kondensmilch
1x Maiskolben
1x Süsskartoffel
evtl. einige Spalten Avocado oder (Yuca)Maniok-Stücke (frittiert)
Petersilie / einige feine Ringe von roten Pepperonis / Chillis - oder kleingehackt

Zubereitung:

Man schneidet den gut gewaschenen Fisch in ca. 2x2 cm grosse Stücke und bedeckt sie mit ausreichend Marinade aus frisch gepresstem Zitronensaft mit Dosenmilch, würzt mit frisch gehacktem Knoblauch und Koriander, Salz, schwarzem Pfeffer, gemahlenem Ají (Chillis/Cayenne) - vorsichtig alles mehrfach umwälzen und mindestens 30 Minuten (oder auch länger) gut durchziehen lassen und dabei kalt stellen.

In der Zwischenzeit kann man den Maiskolben und die Süsskartoffel weich kochen und evtl. eine Maniok-Wurzel schälen und im Ofen frittieren. Nach der angegebenen Zeit giesst man die noch verbliebene, überschüssige Marinade ab und gibt alles auf eine mittelgrossen Platte oder Teller; würzt nochmals nun mit Knoblauchpulver, streut gehackte Petersilie darüber und verteilt obendrauf die in feine Streifen geschnittene rote Zwiebel und ein paar Pepperoni-Ringe oder feingehackte Stückchen.

Zum Servieren:

An den Teller- oder Schüsselrand legt man auf einige Salatblätter Stücke des weichgekochten Maiskolbens (oder auch abgestreifte Maiskörner), sowie ebenfalls 1-2 Scheiben der Süsskartoffel, evtl.einige frittierte Maniok-Stücke und mehr zur Dekoration noch ein paar Avocado-Spalten; die verbliebene Marinade wird getrennt dazu gereicht.

Abwandlung:

Das vorgegebene Rezept kann leicht in andere Geschmacksrichtungen abgewandelt werden – zB: Cebiche mit Thunfisch - Cebiche mit Schwertfisch - Cebiche mit Huhn (Hühnerbrust) - Ceviche mit Langostinos (Gambas/Garnelen) -

Ceviche, Chicha Morada

Damit verabschiede ich mich für dieses Jahr zur Berichterstattung aus Perú. Dieser Blog wird fortgesetzt im Januar 2016 mit den folgenden Themen :

Stadt Arequipa & Vulkan Misti
Museum der Anthropologie & Bodega Queirolo ;
Schokoladen-Museum ; 
Ausflug nach Lunahuana;
Tropische Früchte und ihre Verwendung

 

Quellen: Texte & Bilder ©
Annie Midas
Schokoladen-Museum;
Perúvision; TantaPerú
El Comercio; VisitPerú
PromPerú; LimaTempleMission

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