MAI - REPORT

05/05/2015 - 17:00

Nachdem ich im Vormonat einige kritische Gesichtspunkte zu meinem augenblicklichen Wohn- und Gastland PERÚ geäussert habe, möchte ich mich heute den positiven und angenehmen Seiten zuwenden, die man hier als Residentin im Land tagtäglich erleben kann.

Zuvor möchte ich dem Leser noch sagen: LIMA ist nicht nur die Stadt der Könige, sondern auch die Stadt der Kirchen. Im Zentrum der Stadt findet man fast an jeder Ecke eine Kirche, aber auch jeder der (43) Vorortbezirke hat seine Hauptkirche und noch diverse andere. Diese Entwicklung wurde ausgelöst durch die Heilige Spanische Inquisition der Katholischen Kirche, die damit energisch alle Glaubensgebräuche der nativen Urbevölkerung gewaltsam zu unterdrücken versuchte. Aber auch genau dieses unselige Vorgehen der Eroberer beschert uns nun heute diese unglaubliche Vielzahl an eindrucksvollen religiösen Bauwerken, an denen wir die architektonische Schönheit einer prachtvollen Gestaltung und prächtigen Ausstattung bewundern können.

Nun fange ich mal mit dem Bezirk an, in dem ich wohne : meine Wohnung liegt im Distrikt Miraflores und knapp an der Grenze zum Nachbarbezirk Santiago de Surco – beides sind zwei weitausgedehnte und verzweigte Vororte der Hauptstadt Lima. Hier ist nicht das billigste Pflaster und man muss so einiges an Miete berappen, bekommt dafür auch einiges geboten wie: relative Sicherheit - d.h. ein gut bewachtes Umfeld - saubere Strassen und Gehwege ohne Schlaglöcher, viel Ruhe und Entspannung durch grosse gepflegte Parks, höhere Wohnhäuser sind auf ein Maximum von fünf Etagen gesetzlich limitiert. Wer nun glaubt, dass man hier in Langeweile und Einsamkeit versauert, dem kann ich nur sagen, dass ich zu Fuss in wenigen Minuten drei grosse Avenidas erreiche, wo Busse (Langstrecken), Kleinbusse und vorallem eine Unzahl von ständig zirkulierenden Taxis nur auf einen Fingerzeig warten, um sofort in die Bremsen zu steigen und einen mitzunehmen. Vor dem Einsteigen: unbedingt den Fahrpreis zum Ziel erkunden und den auch noch runterhandeln – denn Ausländern wird von Haus aus ein höherer Preis genannt - - auch hier bewährt es sich, wenn man der spanischen Sprache mächtig ist.

Seit einiger Zeit gibt es Verbesserungen im peruanischen Verkehrssystem, um nur einigermassen die ständig anwachsende Verkehrsflut kanalisieren zu können. So verfügt man über einen elektrischen Zug (Tren Eléctrico) der auf einem Stelzenhochsystem auf der Achse vom Norden (San Juan de Lurigancho) nach Südosten (Villa El Salvador) über bisher 21,5 km Passagiere in grösseren Mengen transportiert. Eine 2. Strecke von Ate bis zum Hafen Callao (27 km) soll zwischen 2016-2018 fertig gestellt sein. Noch visionäre Zukunftsprojekte planen die Linien 3, 4 und 5 auch mit unterirdischem Verlauf (??) …. aber das wird sicher noch dauern.

Auf der Stadtautobahn (Via Expresa) zwischen dem Limeñer Stadtzentrum und seinen Vororten gibt es im Mittelteil eine Trasse, die nur von grossen gasbetriebenen Linien-Bussen (Metropolitano) benutzt wird; diese Verbindung läuft bisher vom Vorwort Chorrillos (Süden) bis nach Comas im Norden . Hiermit werden 16 Bezirke erreicht; die Verlängerung um 4,5 km in südlicher Richtung zu den Badeorten und Stränden ist in Planung. Heute gibt es auf der Busstrecke an der Plaza Grau bereits einen recht originell gebauten

Wer aber die endlosen mehrspurigen Verkehrsströme – vorallem zu Arbeitsbeginn und Arbeitsende – sieht, kann ermessen, dass auch die heutigen Verkehrssysteme der Metropole Lima nur ein Tropfen auf den heissen Stein sind und andere Lösungen zu finden und auch Weiterausbau der bestehenden Strecken vordringliche Themen für die Regierung sein sollten. Man hätte schon lange dem Beispiel der Chilenen folgen müssen, die schon seit dem Jahr 1975 ein perfekt ausgebautes UBahn-Netz betreiben (das umfangreichste in Südamerika) – aber viel Korruption und behördliche Verschleierungen mit langjährigen Verzögerungstaktiken liessen hier bei uns unter den verschiedenen Regierungen °die Gelder im peruanischen Wüstensand° verrieseln oder sind angeblich gar auf ausländischen Konten versteckt ?

Als ich nun vor einigen Jahren erneut nach Perú gezogen bin, vermisste ich am Anfang am allermeisten meinen tollen in Deutschland zurück gelassenen ToyotaVan – heute sehe ich das schon etwas entspannter. Ich zahle keine Autoversicherung mehr, keinen TÜV (gibt es hier auch), keine Reparaturrechnungen (teuer) und kein Benzin mehr (wenn auch billig). Dafür kann ich es mir locker leisten, häufiger – besonders abends – ein Taxi zu nehmen (von meinem Haus bis in die Ortsmitte von Miraflores = ca. 2.50 Euro / Strecke ca. 8 km), aber es geht mit den Sammelbussen (Micros), die an jeder Ecke halten, sogar auch schon für 0,30 Euro-cents ! Lustiges Transportmittel sind auch die (besonders in der Provinz) zirkulierenden Tuc-Tucs ….sie sind allerdings eher was für sehr gelenkige, nicht zu dicke Leute, auch °lange° Ausländer haben darin Probleme ihre Beine einzusortieren !

Um Einkäufe zu tätigen, hat man eine Riesenauswahl : die Hauptketten : Plaza Vea – Metro - Vivanda und Wong bieten alles (auch viele Importprodukte) an – je nach Geldbeutel und Eigenbedarf. Dazu findet man aber in allen Strassen – oft Seite an Seite – eine Unzahl von Bodegas (kleinere Privatläden), die vollgestopft vom Boden bis zur Decke alles anbieten, was der Haushalt so braucht und das oft zu wesentlich günstigeren Preisen als in den Warenhausketten. Absolut besuchenswert sind auch die überall sich findenden Wochenmärkte (Samstag-Sonntag). Wobei ich gleich etwas schon zu den hiesigen Öffnungszeiten sagen kann, die für Europäer – besonders Deutsche mit ihren fest reglementierten Arbeitszeiten – am Anfang unglaublich sind, aber daran gewöhnt man sich nur allzu gerne und sehr schnell.

Feste Öffnungszeiten gibt es nur in begrenztem Rahmen – zB Banken : Sonntags geschlossen. Die meisten Läden und Supermärkte öffnen ab 9 Uhr morgens und schliessen unterschiedlich erst zwischen 21 bis 22 Uhr. Alle Restaurants oder Imbissketten sind ganztägig bis spät in die Nacht geöffnet – auch an Sonntagen und Feiertagen mit Ausnahme des peruanischen Nationalfeiertages am : 28. Juli des Jahres. Manche Bodegas haben Sonntag Nachmittag geschlossen, dafür in der Woche aber oft sogar die ganze Nacht geöffnet – auch Apotheken kann man noch spät abends aufsuchen. Dann gibt es viele Privatleute, die ihre kleinen Verkaufsläden, Reparaturbetriebe oder Servicestände einfach durchgehend 24Stunden geöffnet halten – genau wie viele Tankstellen. Also auch in der Nacht um 3 Uhr braucht man nicht zu hungern oder dursten, kann abfeiern und bleibt nicht wegen Benzinmangels liegen – eher wegen Alkoholüberschuss.

Für mich ist es immer wieder faszinierend die riesige Obst- und Gemüseauswahl überall zu sehen. Einiges davon sieht man in Europa als Importe zu hohen Preisen. Wer weiss eigentlich in Deutschland, dass die Kartoffel von den Spaniern aus Perú mit nach Europa gebracht wurde, wo sie anfangs auf den Tafeln der königlichen Herrscherhäuser als extravagante Neuheit präsentiert wurde, bevor sie ihren Weg in jedes Haus als billiges Nahrungsmittel fand. Hier gibt es ein Kartoffelmuseum, wo man erfahren kann, dass es in Perú die unglaubliche Anzahl von mehr als 4.000 (!) verschiedenen Kartoffelsorten gibt – in allen Grössen und Farben von weiss, gelblich bis rot, von bläulich bis schwarz und nicht zu vergessen noch die camotes (Süsskartoffeln). Einige Sorten wachsen noch in der Sierra auf über 2.500 MüM

Von den manchmal fremdartig anmutenden Kartoffeln kommt man auch schnell zu der riesigen Auswahl an Früchten: von der Küste, aus der Anden-Hochlandregion (Sierra) und aus dem Urwald

Und weil es gerade so schön passt, beginne ich hier vielleicht schon einmal mit einer kleinen Einführung in die peruanische Küche – wobei man sagen muss, dass man heute in Perú - zumindestens im Raum der Grossmetropole Lima - eine Küchenvariations-Bandbreite geboten bekommt, die sich aus den von den unterschiedlichen Immigranten aus ihren Heimatländer mitgebrachten Essgewohnheiten und Küchentraditionen zu einer weltweit bestimmt einzigartigen Verschmelzung mit den altspanischen Kochweisen, aber auch den schon jahrtausendalten, überlieferten Rezeptgeheimnissen der Inkakulturen entwickelt hat.

Was ein Jeder - ob Tourist oder auch dann in Perú ansässiger Zugereister - sofort serviert bekommt ist

-- obwohl man zu jedem einzelnen Punkt gleich noch ein Dutzend weiterer bekannt-beliebter Gerichte oder Getränke hinzufügen möchte. Aber die werde ich dann immer mal wieder im Laufe meiner Berichterstattung auch zitieren und beschreiben. Zusammenfassend kann man sagen, dass Lima inzwischen als die Hauptstadt der Gastronomie in Lateinamerika angesehen und auch in Europa immer mehr wahrgenommen wird - vielfach durch sich dort ansiedelnde Peruaner.

Fehlen darf in keinem guten Perú-Bericht eine doch etwas detaillierte Abhandlung zum peruanischen PISCO – dieses ist ein klarer Schnaps, der aus einer hellen Traubensorte gewonnen wird. Pisco kennt man seit über 400 Jahren. Laut Chronisten weiss man, dass die ersten Trauben-Wurzelstämme im 16. Jahrhundert von den Kanarischen Inseln nach Perú gekommen sind. Schon sehr früh gediehen diese neuen Pflanzen besonders gut wegen der klimatischen Bedingungen in den Tälern rund um die Städte Ica und Pisco im südlichen Perú. Peruanischer Pisco wird in drei Hauptklassen aufgeteilt : Pisco Puro - Pisco Mosto Verde - Pisco Acholado - seltener auch als: Pisco Aromático die Unterschiede liegen im Mischungsverhältnis (eine Traubensorte / aus Most destilliert / verschiedene Traubensorten). Im Land gibt es viele bekannte Namen von Pisco-Herstellern und Pisco-Export-Unternehmen (u.a. Ocucaje / Queirolo / Cascajal und viele andere renommierte mehr …)

Der Pisco fehlt in keiner peruanischen Bar, keinem Restaurant, aber auch kaum im privaten Haushalt. Man nimmt ihn für den schon genannten Cocktail Pisco Sour, aber auch den Chilcano (Mischung mit Ginger Ale), er wird auch pur getrunken und findet in der peruanischen Küche vielfältige Verwendung bei der Zubereitung von Fleisch- und Fischgerichten, für Saucen, aber auch Nachspeisen. Auch zum Flambieren zB von Garnelen eignet sich der Pisco hervorragend.

Dann also : ¡ Salud ! und ¡Buen Provecho ! (Guten Appetit!)

Noch ein kleines Nachwort : Der Name P i s c o soll aus der einheimischen präkolumbischen Sprache Quechua stammen – wo °pisqu° = Vogel bedeutet, woher der Hafenort Pisco auch seinen Namen bekommen haben kann und genau wie in früheren Zeiten gibt es dort auch heute noch eine Unzahl an Meeresvögeln.

 

Vorschau auf meinen nächsten Beitrag :

Alte Kulturstätten mitten im Wohngebiet / Kleine Pflanzenkunde / Residenten unter sich / Shopping

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