APRIL - REPORT

04/14/2015 - 17:15

Wie kann man sich denn bloss Lima als Wohnort aussuchen ? Warum will man denn um Himmelswillen ausgerechnet in Perú leben ? - - Man glaubt es nicht, diese Fragen wurden uns vor Jahrzehnten gestellt und man hört sie heute noch. Vielleicht sollte man dieses Negativ-Image einmal hinterfragen. Denn schliesslich reisen doch Millionen von Touristen jährlich nach Perú ...

Schon bei der Landung auf dem Internationalen Flughafen Jorge Chávez fällt der normale Europäer kopfüber in tumultartige Zustände. Wenn abendlich drei bis vier mit Menschen vollgestopfte Riesen-Maschinen fast gleichzeitig landen, ist grosse Geduld gefragt für den ankommenden Passagier bei den Kontrollen, am Gepäckband und letztendlich wenn man sich mit seinem vollen Gepäckwagen durch die sich öffnenden Türen mit einer davor unglaublichen wartenden, rufenden, johlenden Menge und dem entsprechendem Geräuschpegel konfrontiert sieht. Wo ist denn bloss der Ausgang ? Wenn man die Türen schon sieht, geht es nur langsam raus, denn nun bombardieren einen die Taxifahrer, wo einer den anderen lautstark zu übertönen versucht. Landet man im peruanischen Sommer (ca. Dezember bis April) knallt dem Ankömmling, der sowieso schon vom ganzen Stress genervt und verschwitzt ist, auch noch die abendlich schwül-feuchte Luft entgegen – aber dann sitzt man ja endlich im Taxi. Hat man eine Hotel-Abholung gebucht oder sich für ein teureres Taxi entschieden (ca. 40-50 US$ vom Flughafen bis in den Vorort Miraflores) kommt man wohl in den Genuss einer Aircondition, ansonsten bläst der Pazifikwind durch die offenen Fenster, die man aus Sicherheitsgründen aber höchstens spaltweit öffnen sollte, Türen sollte der Fahrer automatisch verriegeln, Handgepäck sollte am Boden (unsichtbar) stehen. Letzteres gilt hauptsächlich für Tagesfahrten, wo speziell beim Halt an Ampeln, die Gefahr besteht, dass Leute von aussen blitzschnell in den Wagen nach Dingen greifen (auch nach Armbanduhren und Schmuck). Fährt man abends vom Flughafen ab, sieht man (glücklicherweise) wenig vom umgebenden Stadtteil Callao (auch Hafengebiet), was man aber sogleich sieht, ist der sich mehrspurig dahinquälende Verkehr, Leuchtreklamen ohne Ende, Lärm aus Geschäften und Restaurants und ein Gewusele von Menschen. Aber dann ist man endlich im Hotel/Hostal/oder Privatunterkunft. Das war der erste Schritt.

Die meisten Touristen benutzen die Hauptstadt Lima als reinen Umsteigeplatz zur Weiterreise – hauptsächlich zum Touristenziel Nr. 1 der Inkafestung Machu Picchu und der Stadt Cusco, was jammerschade ist und eventuell in den nächsten Jahren, wenn sich tatsächlich der Bau eines weiteren Flughafens in Cusco realisiert, noch dramatisch auf die Zahl der Besucher in Lima auswirken wird. LIMA IST WIRKLICH EINE REISE WERT ! Ich kann es bestimmt als Perú-Kennerin und nach jahrzehntelangem Leben in diesem Land beurteilen.

Die Besucher bekommen je nach der Zurverfügung stehenden Zeit im Zentrum der Stadt viel geboten: Stadtrundfahrt vorbei an eindrucksvollen Palästen, kolonialen Plazas, altspanischen Hausfassaden, Museen, der Kathedrale und vielen anderen Kirchen; dann vielleicht der Besuch in einem Restaurant , wo man den ersten Eindruck in die peruanische Küche erhält und den ersten Pisco Sour serviert bekommt. Falls der Besucher sich ausführlich zu Fuss durch die Stadt auf den Weg macht, bekommt er auch schnell einen Eindruck vom °anderen Lima°, das was nicht nur für die Touristen herausgeputzt wird : enge Strassen und Gassen vollgestopft mit kleineren Läden, Imbiss-Buden oder billigen Esslokalen, Bettler, streunende Hunde, Dreck, Lärm, Abgaswolken von Endlosschlangen der Kleinbusse und Taxis oder jeder Menge anderer Vehikel. Hier sollte man auf seine Sachen sehr achten – speziell Kameras, Handys oder Portemonnaies.

Um die Stadt Lima kennenzulernen braucht es viel mehr Zeit. Zeit um sich aus der Unzahl aller Museen, Kirchen, Paläste, Plätze und Parks, aber auch Ausstellungen und Galerien in Lima und seinen insgesamt (43!) Vororts-Distrikten nur die schönsten und interessantesten Objekte herauszusuchen. Um einen Überblick über die Gross-Metropole Lima (aktuell ca. 8,5 Mio Einwohner) zu bekommen, sollte man sich eine Fahrt in einem Kleinbus auf den Berg San Cristobal gönnen (sehr billig ca. US$ 1.50) die Fahrt an sich ist schon sehr abenteuerlich (sehr eng/sehr steil), aber der Rundumblick (möglichst bei voller Sonne) ist unglaublich. Und nur hier lassen sich die Ausmasse dieser Riesenstadt einigermassen erkennen. Hier kann man erahnen, wo die Grenze zwischen Wohlhabend-Reichtum und Armut verläuft: man sieht die langestreckte Hochhauskulisse entlang dem Pazifik, die eleganten Wohnviertel in Grün eingebettet, breite Palmen-Avenidas, mehrspurige Autobahnen und dann : nur noch gelb-schmutziger Sand und Staub, Trostlosigkeit, Hütten, Armutsviertel, die ganze Berge bedecken – nur um einiges aufzuzählen.

Gross-Lima ist eine Metropole der Gegensätze. Ich gebe zu, man tut sich schwer - besonders am Anfang, wenn man hier lebt und eventuell die Sprache noch nicht spricht. Viele Ausländer glauben, mit ihrem Englisch eben überall auf der Welt klar zu kommen – aber sowie man hier ein Hotel verlässt oder ohne Reiseleiter ist, hilft das einem nicht mehr viel weiter. Nun gut, heute gibt es meistens schon zweisprachige Speisekarten – gut für die Kurzzeit-Besucher – aber keine Lösung für den hier dauerhaft lebenden Auslandsdeutschen. Die Beherrschung der spanischen Sprache öffnet viele Türen, erleichtert viele Behördengänge, vereinfacht das zwischenmenschliche Verständnis und vorallem kann man nur durch Zuhören vieles Ausserordentliche aus dem Land und von den Menschen erfahren und nur so kann man auch neue Freunde finden.

In der Nichtbeherrschung der spanischen Sprache liegt auch oft einer der Gründe für eine oft so krasse Ablehnung und Negativbeurteilung der Stadt Lima als Wohnort. Ein anderer sehr wesentlicher Punkt ist die komplett anders geartete Mentalität der Peruaner – die noch nicht einmal zu vergleichen ist mit der eines europäischen Spaniers, von denen sie ja vieles vererbt bekommen haben. Ich möchte hier keine kontroverse Beurteilung abgeben, aber aus meiner ureigenen Sicht ist auch der heutige Peruaner eben immer noch eine °Mischung aus Indio und Spanier° - auch wenn da Viele mir wiedersprechen werden - obwohl über die Jahrhunderte seit den Befreiungskämpfen gegen die spanischen Eroberer sich Perú zu einem Einwandererland für fast alle Menschenrassen dieser Welt entwickelt hat, was natürlich auch zu genauso vielen Rassen-Vermischungen führte. Aber all diese Menschen leben eben auch hier in diesem Ambiente, das auf uralten Traditionen, Gebräuchen und Gewohnheiten basiert, was ein zureisender Ausländer akzeptieren und sich damit anfreunden (und besser auch abfinden) sollte.

Last but not least, finde ich bei meiner Suche nach Erklärungen zu der negativen Einstellung vieler deutsch-sprachiger Bewohner hier bei uns in Gross-Lima oft auch ein mir unerklärliches °Klagen auf hohem Niveau° - viele Leute kommen aus den verschiedensten Gründen aus Europa nach Perú, meistens weil man sich hier erhofft, ein viel besseres, angenehmeres und leichteres Leben führen zu können – und das möglichst mit viel weniger Arbeitsstress. Von einem Paar hörte ich neulich auf meine Frage : Was wollt Ihr hier machen ? Habt Ihr Arbeit oder einen Arbeitsvertrag ? Oder überhaupt ein Visum dafür ? hierauf doch tatsächlich die Antwort : Oh, Gott, doch nicht schon wieder Arbeiten, wir hängen erstmal richtig ab ! Wohlgemerkt : die Leute sind Anfang 40, haben wohl in Deutschland ihre Arbeit aufgegeben oder verloren, hier noch keine Wohnung, keinen Job und Geldmittel scheinen auch nur begrenzt vorhanden.

Lima ist heute ein teures Pflaster geworden, die Mieten in einem guten, sicheren Wohnviertel sind hoch, anständige Krankenversicherung nach deutschem Standard ebenfalls, einen Job zu finden ohne entsprechende Kontakte zu haben (plus Sprachkenntnisse) oder auch ein offizielles Arbeitsvisum, fast aussichtslos. Das wiederum ist dann die Ausgangslage für Klagen und Beschimpfungen gegen die peruanischen Behörden und das Leben hier im Allgemeinen.

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